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Sic Transit Gloria Petri?


Oder echte Gewaltenteilung – jetzt!

Endlich eine Reform des Systems – oder doch wieder nur halbherzige Schuldeingeständnisse ohne nachhaltige Konsequenzen? Leider ist diese Frage auch nach dem so genannten Anti-Missbrauchsgipfel vom Februar 2019 im Vatikan noch immer nicht zufriedenstellend beantwortet. In welche Richtung der Weg einer sich erneuernden Kirche führen muss, das hatten acht bekannte deutsche Katholikinnen und Katholiken in einem offenen Brief* an Kardinal Reinhard Marx im Vorfeld der Konferenz bereits unmissverständlich aufgezeigt: Schluss mit der Überhöhung des Priesteramtes, Freiwilligkeit des Zölibats, Weiheämter für Frauen, eine veränderte Sexualmoral und echte Gewaltenteilung in der Kirchenführung.

Auch wenn kaum Freude aufkommt angesichts der wenig konkreten Ergebnisse der Vatikan-Konferenz, so muss immerhin zugute gehalten werden, dass das (wahrscheinlich Jahrhunderte alte, aber bisher immer unter dem Teppich gehaltene) Thema des Missbrauchs erstmals in der Kirchengeschichte öffentlich behandelt worden und damit ein gewisser Aufbruch erfolgt ist. Und es sollte auch zugute gehalten werden, dass ein so riesiges „globales Unternehmen“ wie die katholische Kirche mit ihrer Jahrtausende alten Struktur und ihren weltweit über hundert Bischofskonferenzen nicht mal so eben neu durchorganisiert werden kann. Oft wird der Vergleich mit einem Riesentanker gemacht, der bekanntlich auch nicht so manövrierfähig ist wie etwa eine schnittige Yacht oder ein flottes Motorboot. Doch will die Kirche nicht auch noch den Rest an Glaubwürdigkeit verlieren und auf absehbare Zeit in der Bedeutungslosigkeit versinken, weil ihr die Mitglieder in Scharen davon laufen, dann muss sie sich jetzt strukturell erneuern.

2018 war aufgrund der öffentlich gewordenen Skandale ein besonders dramatisches Jahr. Zwar vor allem für die katholische, aber erstaunlicherweise auch für die evangelische Kirche. Das eigenartige Phänomen: Wird die katholische Kirche durch einen Skandal erschüttert, bebt auch die evangelische Welt, und es treten auch dort deutlich mehr Menschen aus der Kirche aus. In Köln nahm die Zahl der Gläubigen, die den beiden großen Kirchen den Rücken kehrten, um rund 24 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu. In Frechen war es ähnlich. Dabei wissen wir aus einer Anfang 2018 vom Bistum Essen vorgelegten Studie, dass es kaum einen plötzlichen Austritt gibt. Fast jeder Abschied ist ein längerer Prozess, der auf zunehmender persönlicher Distanz zu Kirche und Glauben, vor allem auf Ablehnung von moralischen Maximalpositionen und Machtstrukturen des Systems basiert. Ein aktuelles Ereignis ist dann nur noch der sprichwörtliche letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.

Die Forderungen der „wackeren Acht“*, die diese in ihrem offenen Brief an Kard. Marx erhoben haben, zeigen exakt die elementaren Stellschrauben einer wirklichen Reform. Zwar ist die Überhöhung des Priesteramtes, der Ausschluss von Frauen von Weiheämtern, der Pflichtzölibat für alle Priester, eine überholte Sexualmoral und die absolutistische Machtstruktur des Klerus jeweils für sich allein genommen nicht die Ursache für die Verbrechen vor allem an Kindern und Jugendlichen, darüber hinaus auch an Nonnen. Aber alles zusammen bildet geradezu ideale Bedingungen für klerikalen Missbrauch jeder Art.

Enttäuschend an der Abschlussrede des Papstes war, dass zwar auch er erkannt und benannt hat, dass die aktuellen Machtstrukturen der „Knackpunkt“ des gegenwärtigen Übels sind, dass er aber keine konkreten Schritte zu deren Überwindung benennen konnte oder wollte. Stattdessen, so kritisierte der Essener Generalvikar Klaus Pfeffer zu Recht, überhöhte er einmal mehr das Priesterbild. So lasse sich ganz sicher nicht „die notwendige Auseinandersetzung über die mit der Priesterweihe verbundenen „Phänomene eines geschlossenen Systems, d.h. über die Gefahren eines „Klerikalismus mit der Verpflichtung zu einem ehelosen und asexuellen Leben sowie einer insgesamt durch die katholische Sexualmoral verursachte Tabuisierung von sexuellen Bedürfnissen“ führen. Ein wesentliches Ziel muss „eine Ent-Idealisierung und Ent-Klerikalisierung des Amtes in der Kirche“ sein, so Pfeffer. Vor allem von den nationalen Bischofskonferenzen wird jetzt abhängen, was tatsächlich in Angriff genommen wird. Aber auch wenn sich eine Bischofskonferenz nicht einig sei, dann müssten eben einzelne Bischöfe vorangehen, meint Thomas Sternberg, Chef des Zentralkomitees der deutschen Katholiken: "Jeder Bischof kann morgen einfach einen verheirateten Diakon zum Priester weihen. Dazu braucht es nur ein bisschen Mut. Ich bin sicher, dass in den nächsten drei Jahren, vielleicht schon in diesem Jahr, in einem deutschen Bistum ein verheirateter Diakon zum Priester geweiht wird."

Die Frage nach der Zäsur: Nimmt man Kard. Marx, den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), und die Beschlüsse der DBK auf ihrer Frühjahrstagung Mitte März beim Wort, dann stehen in Deutschland die Chancen für Erneuerung gar nicht so schlecht. Im Kontext mit der Vatikan-Konferenz hatte Marx bereits vier erste Maßnahmen vorgeschlagen:


► Die Statuten zu Vertraulichkeit und Geheimhaltung müssten neu definiert werden.
► Das Rechtssystem der Kirche müsse an öffentliche Standards angepasst werden.
► Zahlen und Einzelheiten zu Missbrauchsfällen sollten künftig öffentlich gemeldet werden.
► Ebenso sollten Dokumente zu gerichtlichen Verfahren veröffentlicht werden.


Folgerichtig beschloss die DBK – einstimmig! – auf ihrer Frühjahrstagung unter dem Motto „Die Frage nach der Zäsur“, unverzüglich vor allem drei Problemkreise zu klären: 1. die Frage nach dem Umgang mit Macht in der Kirche, 2. die Frage nach der Zukunft der priesterlichen Lebensform und 3. die Frage nach der Weiterentwicklung der kirchlichen Sexualmoral. Und mit der Studie „Frauen in Leitungspositionen“ zeigten sich die Bemühungen der Bischöfe, Frauen in eben diesen Positionen zu fördern. Na, immerhin! Marx und etliche Kollegen, allen voran der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode, haben wohl verstanden.

Nicht auszuschließen ist, dass entsprechende Reformen zu Spaltungen führen werden – vor allem innerhalb der nationalen Bischofskonferenzen, möglicherweise aber auch in der Kirche insgesamt. Doch das ist als normal hinzunehmen und war schon immer so, wenn alte Lager verhärten und mit neuen um die Richtung kämpfen – in der Kirche ebenso wie in Politik und Gesellschaft. Und derzeit erleben wir viele Spaltungen. Angesehene Theologen sehen dem gelassen entgegen. Der Jesuit Stefan Kiechle etwa verweist in einem Beitrag in „Stimmen der Zeit“ (1/2019) – wie es scheint, nicht ohne eine gewisse hintergründige Freude – auf die Stelle des Lukas-Evangeliums (Lk 12,51), in der Jesus sagt, er sei nicht gekommen, um Frieden zu bringen, sondern Spaltung. Kiechle meint: „Jesus will zwar Einheit schaffen, ein hohes Gut, aber dieses kommt nur durch notwendige Spaltungen hindurch. Bischöfe und Papst haben als ihren Auftrag den Dienst am Einssein verinnerlicht. Aber der Eindruck verstärkt sich, dass sie doch eher Gefangene ihrer starren Apparate sind, die eine leb- und lieblos gewordene Einheit nur noch verwalten.“ Damit Amtsträger nicht als Gefangene in einem erstarrten Apparat verharren müssen, sollte nicht zuletzt die große Schar der nicht amtsgebundenen, „ganz normalen“ Gläubigen den Mut zur – recht verstandenen – Spaltung haben und auf dem Weg in eine synodale Zukunft sich immer wieder richtungsweisend und aktiv einbringen. Denn „die Kirche“, das sind nicht nur Papst und Bischöfe – das sind wir alle.

 

Christa Tamara Kaul     



*Die Unterzeichner des offenen Briefes an Kard. Reinhard Marx:
Johannes zu Eltz, Frankfurt; Gaby Hagmans, Frankfurt; Bettina Jarasch, Berlin; Claudia Lücking-Michel, Bonn; Dagmar Mensink, Frankfurt; Klaus Mertes SJ, St. Blasien; Jörg und Ingrid Splett, Offenbach; Ansgar Wucherpfennig SJ, Frankfurt

 

Der Beitrag ist zuerst erschienen in IM TEAM Nr. 37 / Mai 2019

 

 

 

 

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