Startseite

Aktuelles

Gottesdienste

Lesungstexte

Gemeindeleben Kö

Terminkalender

Seelsorgeteam 

Pfarrgemeinderat

Ortsausschuss

Kirchenvorstände

Unsere Büros

Treffpunkte

Bücherei

Messdiener

Ecclesia Nostra

Im Team

Pfarrnachrichten

Kirche in Frechen

 

Ihre Meinung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

   

                                                             Spirituelle Angebote          Ökumene         Links           Impressum

 

 


Lange nicht mehr erlebt – soviel Aufbruchstimmung in der katholischen Kirche Deutschlands. Der „Synodale Weg“, getragen von Deutscher Bischofskonferenz (DBK) und Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK), hat mit der ersten Versammlung im Februar 2020 in Frankfurt am Main vielversprechend begonnen. Auch wenn inzwischen schon die ersten Querschläger sich abzeichnende Erfolge zunichte machen möchten – es lohnt sich, den eingeschlagenen Weg mit stoischer Gelassenheit weiter zu gehen.

„Der katholischen Kirche fehlen die Priester. Der guten, alten Pfarrei kostet das die Existenz. Das tut vielen weh, kann man aber nutzen. Zum Beispiel zur endgültigen Überwindung des Klerikalismus.“ Das meinte bereits im Jahr 2017 Rainer Bucher, Professor für Pastoraltheologie. Und ziemlich genau in diese Richtung weist die im März 2019 durch die DBK beschlossene Einrichtung des Synodalen Weges. Ein reformintensiver Weg, der aus dem Entsetzen über die strukturelle Sünde des sexuellen und spirituellen Machtmissbrauchs innerhalb der Kirche initiiert wurde und dies in vier Foren aufarbeiten soll: „Macht und Gewaltenteilung in der Kirche – Gemeinsame Teilnahme und Teilhabe am Sendungsauftrag“, „Priesterliche Existenz heute“, „Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche“ und „Leben in gelingenden Beziehungen – Liebe leben in Sexualität und Partnerschaft“. Bislang alles ohne Diskussionsverbote.

Allerdings nicht ohne den Widerstand einer zahlenmäßig zwar eher kleinen, aber recht lautstarken Gruppe von Klerikern, die keine grundsätzliche Veränderungen der Kirchenstruktur wollen. Als da wären Rudolf Voderholzer, Bischof von Regensburg, der während der Frankfurter Veranstaltung mehrfach wütend dazwischenrief, und – wie kaum anders zu erwarten – der Kölner Erzbischof, Kardinal Rainer Maria Woelki. Offensichtlich hält dieser nichts von einem Miteinander von Klerikern und Laien auf Augenhöhe: „Ich habe ja sehr deutlich gemacht, dass ich eine große Sorge habe, dass hier quasi ein protestantisches Kirchenparlament durch die Art der Verfasstheit und der Konstituierung dieser Veranstaltung implementiert wird. Das ist für mich eigentlich auch eingetreten. … Das ist ja auch schon das sehr deutlich prägende Bild beim Einzug zum Gottesdienst gewesen, als Bischöfe und Laien alle gemeinsam eingezogen sind und somit zum Ausdruck gebracht wurde, dass da jeder gleich ist. Und das hat eigentlich nichts mit dem zu tun, was Katholische Kirche ist und meint.“

Dass da jeder gleich ist! Und jede womöglich auch noch. Diese Beurteilung zeigt die stramm klerikale Verfasstheit der Kölner Eminenz. Tatsächlich gibt es Ähnlichkeiten von Synodalem Weg und EKD-Synoden. Beispielsweise die Öffentlichkeit der Sitzung – im Gegensatz zu den für „Nicht-Geweihte“ unzugänglichen Konzilen und Synoden, an deren Ende nur jeweils eine Pressekonferenz gewisse Einblicke gewährt. Diese Öffentlichkeit bietet Interessierten den Vorteil, dem Diskussionsverlauf folgen zu können und auch die Beiträge von in Abstimmungen unterlegenen Richtungen kennen zu lernen. Vor allem aber auch einen Eindruck des Diskussionsklimas und der verbalen Machtansprüche einzelner zu gewinnen. Allerdings, so witzelten einige, sei der Auftakt des Synodalen Wegs mittels elektronischer Abstimmungsgeräte deutlich besser organisiert gewesen als jede evangelische Synode bisher. Wie auch immer: „Der Weg entsteht beim Gehen, die erste Strecke ist gelaufen“, kommentierte Dr. Thomas Sternberg, Präsident des ZdK, diesen Auftakt. Na dann – könnte man meinen – kann es doch eigentlich so weitergehen. Ob mit oder ohne die Kölner Eminenz.

Wenn da nicht mit dem päpstlichen Schreiben „Querida Amazonia“ just im Februar 2020 (als Ergebnis der im Oktober 2019 in Rom abgehaltenen Amazonas-Synode) schon die ersten Querschläge aus Rom gekommen wären. Damit sind – zumindest theoretisch – gleich zwei der vier Forderungen des Synodalen Weges negativ beschieden worden, bevor hier die eigentliche Diskussion darüber überhaupt begonnen hat, und zwar die zumindest teilweise Aufhebung des Pflichtzölibats und der Zugang von Frauen zu Weiheämtern. Zwar ist in dem Schreiben von „mit entsprechenden Vollmachten ausgestatteten Laien-Gemeindeleitern“, also auch Frauen, die Rede und von einer Gemeindeleitung durch diese als einer „Lösung auf Dauer“, bei der diese synodal über den Weg der Kirche mitentscheiden (!) könnten.

Doch den in der Kirche engagierten Frauen reicht das nicht. „Die Teilung von Macht und das Aufbrechen männlicher Hierarchien bleiben für uns zentrale Fragen – … ohne Geschlechtergerechtigkeit kann und wird es keine wirkliche Reform geben", hatte Dr. Agnes Wuckelt, stellvertrende Bundesvorsitzende der Katholischen Frauen Deutschlands (kfd), schon zu Beginn des Weges klargestellt." Folgerichtig äußerte sie sich nach Veröffentlichung von „Querida Amazonia“ tief enttäuscht: “Frauen leben ihr Engagement aus der tiefen Überzeugung, dass Gott die Menschen gleich und berechtigt geschaffen hat. Es ist unerträglich, dass die Amtskirche weiterhin Frauen gleiche Rechte abspricht und sie aus biologistischer Argumentation heraus zu Dienstleisterinnen degradiert.“

Niemand, wirklich niemand von Einfluss und ernst zu nehmendem Rang in der katholischen Kirche Deutschlands will sich von Rom lossagen. Aber immer mehr ernst zu nehmende Katholikinnen und Katholiken können sich vorstellen, dass der Wunsch nach und das Festhalten an globaler Einheit die Möglichkeit zu regionalen Unterschieden einschließt. Wenn in „Querida Amazonia“ für eine inkulturierte Kirche mit einem „amazonischen Gesicht“ plädiert wird, muss das Kirchenbild einer inkulturierten Kirche in gleicher Weise auch für andere Weltregionen möglich sein. Eben auch das einer inkulturierten Kirche mit „europäischem“ oder mit „deutschem Gesicht“. Daher gilt es, „unseren“ Synodalen Weg entschlossen weiter zu gehen. Mit der Wahl des Limburger Bischofs Dr. Georg Bätzing zum neuen Vorsitzenden der DBK im März 2020 besteht solider Grund zur Hoffnung, dem gesamten Ziel näher zu kommen. „Der Synodale Weg, das ist in der Vollversammlung deutlich geworden, wird gut weitergehen, dafür stehe ich auch persönlich ein“, so Bätzing zum Abschluss der Tagung. Der Aufbruch kann gelingen.
 

Christa Tamara Kaul 

 

Dieser Beitrag erschien zuerst im ökumenischen Magazin IM TEAM Nr.39 / Mai 2020

 



Weiterführende Links
 

https://www.synodalerweg.de/

https://www.vaticannews.va/de/papst/news/2020-02/exhortation-querida-amazonia-papst-franziskus-synode-wortlaut.html

https://www.erzbistum-koeln.de/thema/synodalerweg/position-woelki/

 

 

zurück zum Seitenanfang